Teileingespannter Holz-Beton-Verbundträger mit armiertem Eschen Brettschichtholz

RSA Sargans

In Sargans entsteht zurzeit eine neue Vierfachsporthalle. Diese ersetzt die bestehende Dreifachhalle aus dem Jahre 1981 und soll bezüglich betrieblicher, statischer und energetische Standpunkte den heutigen Bedürfnissen entsprechen. Die Sportanlage wird im Sinne einer regionalen Wertschöpfung als nachhaltiger Holzbau erstellt. Besonders interessant wirkt die feingegliederte Tragstruktur. Diese prägt den Bau und führt zu spektakulären Raum- und Lichtstimmungen. Der Hauptpart stellt die Vierfach-Halle dar. An diesen angehängt wird auf der einen Seite der Baukörper des Gerätelagers, auf der anderen ein Zweigeschosser, dessen Räume als Umkleidung- und Gymnastikflächen dienen.

Bauherrschaft:Hochbauamt des Kantons St. Gallen, St. Gallen
Architekten:blue architects + Rupret Architekten, Zürich
Ingenieur Tragwerksplanung:Walt & Galmarini AG, Zürich
Planung Fassaden und Innenausbau:Pirmin Jung, Rain
Holzbau:Blumer-Lehmann, Gossau
Lieferung Rahmen und HBV Träger:neue Holzbau AG, Lungern

Statisches System

Die eigentliche Halle besteht aus 40 filigranen Holzrahmen in einem Achsraster von 1.65 bzw. 1.84 m. Die Rahmen steifen das Gebäude in Querrichtung aus. In Längsrichtung stabilisiert eine Dachscheibe aus grossformatigen Brettsperrholzplatten die Rahmen und leitet die horizontalen Lasten (Wind Erdbeben) in die jeweiligen Wandscheiben. An den Rahmen angehängt werden die Dach- bzw. Deckenträger der Nebengebäude. Dabei werden die Dachträger beidseitig mit Sherpaverbinder an die Rahmen angeschlossen. Sie bestehen aus Brettschichtholz und werden wie beim Mitteltrakt mit grossformatigen Brettsperrholzplatten beplankt. Die Deckenträger sind aus armierten Eschen BSH und werden als Holzbetonverbundelement teileingespannt an die Rahmen angeschlossen. Aus statischer Sicht interessant sind vor allem die für eine Spannweite von 28.8 m sehr filigranen Rahmen, sowie die über 10.65 m gespannte Holzbetonverbunddecke.

Rahmen

Die Rahmen sind 28.8 m gespannt und haben in der Mitte eine Höhe von ca. 10 m. Trotz der Länge des Riegels von fast 30 m ist dieser nur 140 mm breit, jedoch 1440 mm hoch. Im Gegensatz dazu stehen die Stiele, welche eine Abmessung von bloss 140/800 mm aufweisen. Infolge der unterschiedlichen Querschnitte zwischen Riegel und Stiel entsteht ein für die Riegeldimension zwar kleines, für die Stieldimension jedoch zu grosses Eckmoment. Die Rahmenecke muss entlastet werden. Dies geschieht über eine globale Vorspannung der Rahmen. Dabei wird der Rahmen so produziert, dass ihm während der Montage bereits ein positives Moment aufgezwungen wird. Dieses wirkt den grossen Beanspruchungen infolge Auflasten und Schnee im Rahmeneckenbereich entgegen. Selbstverständlich müssen die in den Rahmenecken subtrahierten Momente in Feldmitte ungünstig aufaddiert werden.

Möglich ist eine solche globale Vorspannung der Rahmen nur, wenn alle Parameter der Anschlüsse sehr genau bekannt sind. Es braucht einen äusserst steifen Anschluss mit sehr wenig Schlupf. Ein einfaches Kontrollsystem ermöglicht, die in der Statik theoretisch definierten Parameter auf der Baustelle einfach zu kontrollieren. Die Rahmenbreite von nur 140 mm verunmöglichte einen liegenden Zusammenbau mit anschliessendem Aufziehen. So mussten die Rahmen stehend mit einem Hilfsgerüst zusammengebaut werden. Die Dimensionen aller Rahmen sind trotz unterschiedlichem Achsraster (1.65 und 1.84 m) gleich. Dies war nur durch ein gezieltes Anpassen der Holzfestigkeit möglich. Währendem alle Stiele in BSH GL36 ausgeführt wurden, konnten beim Binderabstand von 1.65 m die Riegel in BSH GL28 ausgeführt werden. Beim Binderabstand 1.84 m sind sowohl Riegel und Stiel in BSH GL36.

Holzbetonverbunddecke

Die Zwischendeckenträger sind als ungleichmässig gespannte 2-Feldträger mit Spannweiten von 10.65 m bzw. 4.80 m ausgebildet. Einseitig werden sie direkt an die Rahmen angeschlossen. Das Obergeschoss kragt gegenüber dem EG um ca. 2.5 m aus. Die Zwischendecke wird demnach (neben den eigenen Auflasten und einer Nutzlast von 5.00 kN/m2), auch durch die Auflasten und Schneelasten des Dachs beansprucht. Trotz des ungünstigen statischen Systems wurde mit einem Holzquerschnitt von nur 140/500 mm gearbeitet. Bei der Tragsicherheit war der Schub über dem Mittelauflager, verursacht durch die grosse Spannweite sowie die Zusatzbelastung aus dem Dach (Auskragung), massgebend. Die Schubbeanspruchung ist so gross, dass ein Wechsel auf Brettschichtholz in Esche nötig war. Dessen Schubfestigkeit ist ca. 1.5x grösser als bei der Fichte.

Auch bei der Gebrauchstauglichkeit waren die verschiedensten Massnahmen erforderlich, um die Dimension der Deckenträger zu halten. Neben der Ausbildung als Holzbetonverbundträger wurden die Eschenträger armiert und teileingespannt an die Rahmen angeschlossen. Selbstverständlich wurden die Träger im Bereich der grossen Spannweite überhöht. Der Holzbetonverbund wurde über kreuzweise zueinander, in einem Winkel von 45° eingeklebten Armierungsstäbe, erstellt. Da nur eine Trägerbreite von 140 mm besteht, sind die Stäbe auch in Querrichtung schräg zueinander angeordnet.

Holzarmierung

In Zusammenarbeit mit Herrn Professor Ernst Gehri arbeitet die neue Holzbau AG in Lungern seit über 10 Jahren an Weiterentwicklungen von Verbindungen und neuen Produkten im Ingenieur-Holzbau. Durch die optimierte Anschlusstechnologie werden immer grössere und anspruchsvollere Holzkonstruktionen möglich. Dies erfordert und ermöglicht den Einsatz hochwertiger Holzbaustoffe.

Brettschichtholz aus Laubholz

Durch Einsatz von Brettern aus Laubholz (Festigkeitsklasse T40, Esche und Buche) sind Träger der Klasse GL48 möglich. Entscheidend beim Wechsel von Nadelholz auf Laubholz ist, neben der höheren Biegefestigkeit, die wesentlich höhere Schubfestigkeit und Schubsteifigkeit von rund 60%. Bei der Bemessung hochfester Biegeträger treten eher Schubprobleme auf (höhere Biegefestigkeit und somit kleinere Trägerquerschnitte, aber auch kleinere Schubquerschnitte).

Verstärkungen mit Stahl

Verstärkungen mit Stahl werden seit über 60 Jahren eingesetzt. Sie sind gut kombinierbar, da Holz und Stahl kompatible elastische Spannungs-Dehnungs-Bereiche aufweisen. Zielsetzung ist meist eine höhere Biegeleistung sowie Steifigkeit bei geringer Bauhöhe. In der Vergangenheit bestand das Grundmaterial aus BSH-Nadelholz. Sinnvoll ist die Verstärkung (bedingt durch die Schubproblematik) erst in Kombination mit BSH aus Laubholz. Versuche in Lungern haben gezeigt, dass mit armierten Laubbrettschichtholz Festigkeiten bis BSH GL60 möglich sind.

Holzarmierung am Beispiel RSA

Unserer Meinung nach wird der Werkstoff Holz zu wenig effizient eingesetzt. So produziert die neue Holzbau AG in Lungern auch heute noch fast 90% in BSH GL24. Unten aufgeführt ist ein Vergleich verschiedener Querschnitte, bezogen auf das Feldmoment der RSA-Träger. Ohne Verbund und in GL24 wären die Brettschichtholzbalken fast doppelt so hoch, in Sargans somit mit Sicherheit durch eine Stahl- oder Betonkonstruktion ersetzt worden! Ein Wechsel der Rippen auf BSH GL36 mit einem Verbund mit Beton ergibt bereits fast den gewünschten Querschnitt. Verglichen mit einem Stahl- Betonverbundträger oder mit einer Betonrippendecke fällt auf, dass die anderen Werkstoffe statisch gesehen meist die besseren Lösungen anbieten. Dies, weil ihr Querschnittprofil einem I-Träger, nicht wie beim Holz einem T-Träger, entspricht. Durch eine einfache Armierung kann auch aus einem Holzbetonverbundträger ein I-Träger hergestellt werden, der neben einer höheren Festigkeit auch eine massiv höhere Steifigkeit (ca. 30% im Beispiel RSA) aufweist.

Die Träger des RSA wurden aus Esche in einer Festigkeitsklasse GL40 hergestellt. Die Esche war infolge der hohen Schubbeanspruchungen nötig. Neben der höheren Festigkeit hat das Laubholz auch im Bereich der Verbindungen Vorteile. So kann die Auszugsleistung eines GS-Ankers in Esche gegenüber der Fichte um den Faktor 1.5x gesteigert werden. So können Kosten in den Verbindungen, trotz etwas grösserem Aufwand in der Bearbeitung, eingespart werden.

Teileingespannter Anschluss

Eine Teileinspannung ist theoretisch ein äusserst effizientes Mittel, um einen Biegemomentenverlauf positiv zu beeinflussen. Am Beispiel des HBV-Trägers RSA konnte das Feldmoment durch die Teileinspannung massiv verkleinert werden, ohne negative Auswirkungen durch das Anschlussmoment am Stiel. Gelenkige oder voll eingespannte Anschlüsse sind üblich. Da einfacher zu realisieren sind sie den teileingespannten Anschlüssen vorzuziehen.

Verbindungen mit GSA-Technologie

Die GSA-Technologie (Anschlusssystem mit eingeklebten Gewindestangen) ermöglicht äusserst leistungsfähige, duktile Verbindungen. Aus der werkeigenen Entwicklung sind mit der Zeit leistungsfähige Normteile entstanden, die wenn immer möglich durch die neue Holzbau AG eingesetzt werden. Alle unsere Normteile wurden anhand von Prüfkörpern getestet und gegebenenfalls optimiert. Dadurch kennen wir, auch in extremen Belastungssituationen, das Verhalten unserer Teile sehr genau.

Bei Bauten wie die Sporthalle RSA Sargans, bei denen viele Bauteile in den höchsten Festigkeitsklassen hergestellt werden und zudem für den gewünschten Querschnitt Umlagerungen der Biegemomente (Teileinspannung, Vorspannung Rahmen) erforderlich sind, ist neben einem entsprechendem Qualitätsmanagement auch die Verbindungstechnologie entscheidend. Sind die Anschlusssteifigkeiten sowie der Schlupf der Verbindung nicht bekannt, entsprechen die theoretisch ermittelten Kräfte definitiv nicht den vorhandenen. Das führt wiederum insbesondere in den Anschlüssen zu Problemen (trotz allen Weiterentwicklungen meist der Schwachpunkt einer Holzkonstruktion).

Da viel Entwicklung im Bereich der Verbindungen in den Holzbetrieben getätigt wird und diese ihre Verbindungen exklusiv am Markt vertreten, kann der Ingenieur bis zur Auftragsvergabe nur ungenügend auf solche Technologien zurückgreifen.

Anschluss Decke-Stiel

Die Einspannung muss bei einem klar definierten Bauzustand aufgebracht werden (bei der Zwischendecke RSA wird nur die Nutzlast eingespannt). Für den Anschluss bedeutet dies viele verschiedene Bauphasen mit komplett unterschiedlichen Beanspruchungen. Uneingespannt muss der Anschluss als Gelenk funktionieren. Dabei müssen sowohl die Lasten wie auch die jeweiligen Verdrehungen aufgenommen werden. Die Bauzustände variieren von einem mehrfach abgestützten Träger bis hin zu einem Träger mit einer Spannweite von 10,65 m und einer Beanspruchung von 5.25 kN/m2 (infolge HBV Betondecke und Anhydrit Unterlagsboden). Das Anschlussteil besteht aus einem unteren Gelenk und einem oberen Zuganschluss.

Das Gelenk ist ein modifiziertes n’H Normteil. Neben den GSA-Anker (für die Einleitung der vertikalen und horizontalen Lasten) wird an diesem Teil auch die Holzarmierung angeschlossen. Das GSA-G besteht aus zwei Halbschalen, die über zwei Konusringe miteinander verbunden werden. In den jeweiligen Halbschalen können je nach Bedarf GSA-Anker in verschiedenen Winkeln angeschlossen werden. Während des Zusammenbaus können die vorgefertigten Teile sehr einfach mit nur einer Schraube zusammengeschlossen werden.

Neben dem Gelenk besteht oben der Zuganschluss. Auch dieses Bauelement besteht aus zwei Teilen. Ein Teil wird über schräge Gewindestangen mit dem Beton verbunden. Das andere Teil ist mit GSA-Ankern am Binderstiel befestigt. Hauptproblem ist der Zusammenschluss der beiden Teile. Dies weil die Elemente erst nach dem Aufbringen des Unterlagsbodens miteinander verschraubt werden dürfen, und so auch hier alle Bauzustände ohne Behinderung des Gelenks funktionieren müssen. Zudem wird das ganze Anschlussteil in den Beton eingegossen und darf am Ende nicht mehr sichtbar sein. Zugänglich ist die Verschraubung nur von der Stirnseite. Eine einfache Verschraubung von zwei Platten wird deshalb, durch das Versetzten um 800 mm (Stielhöhe), plötzlich aufwendig. Mit allen Mittel muss verhindert werden, dass Beton in den Bereich der Verschraubung dringt.

Varia

Das RSA Sargans zeigt, wie mit cleveren Umlagerungen statisch optimierte und äusserst filigrane Tragkonstruktionen entstehen können. Selbstverständlich sind dafür hochwertige, qualitätsgeprüfte Werkstoffe (BSH GL36; BSH in Laubholz GL40/48) unabdingbar. Das wichtigste jedoch sind die Anschlüsse. Neben einem duktilen Verhalten mit grosser Leistung sind genauste Kenntnisse der Verbindung wichtig.

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